Bayerischer Untermain

Geo-Naturpark Bergstrasse-Odenwald

07.12.2010

PressemitteilungJahresrückblick


 

Jahresrückblick 2010
 
Liebe Kirchzeller Bürgerinnen und Bürger,
 
immer noch stehen wir unter dem Eindruck des tragischen Arbeitsunfalles, bei dem unser Mitarbeiter und Kollege Andreas Lorenz am 15. November bei Baumfällarbeiten in Breitenbuch sein Leben verlor. Fassungslosigkeit und Trauer hat unser Leben in den letzten Wochen bestimmt und es ist schwer, im Angesicht dieses Geschehens den Weg zurück in den Alltag zu finden. Getrauert haben wir in diesem Jahr auch um unseren Altbürgermeister und Ehrenbürger Albrecht Wörner, der am 30. März im Alter von 80 Jahren nach längerer Krankheit verstorben ist. Albrecht Wörner hat in seiner langen politischen Laufbahn die Entwicklung und die Geschichte des Marktes Kirchzell wesentlich geprägt. Mit ihm haben wir einen Menschen verloren, der sich um Kirchzell verdient gemacht hat.
Neben diesen beiden für uns traurigen Ereignissen hat uns das zu Ende gehende Jahr einiges beschert, was den Blick zurück lohnt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns nicht so schwer getroffen, wie es ursprünglich befürchtet war. Die Konjunktur ist relativ schnell wieder angesprungen. Jetzt können wir hoffen, dass der rechnerische Aufschwung der Wirtschaft auch als gefühlter Aufschwung bei den Menschen ankommt und die Menschen, die als Leiharbeiter und im Niedriglohnsektor mit ihren Familien am Existenzminimum leben, auch spüren, dass es aufwärts geht und sie keine Sorge mehr um ihren Lebensunterhalt haben müssen.
Im Jahr 2010 haben drei Ereignisse stattgefunden, die das Selbstbewusstsein der Deutschen erheblich gestärkt haben. Im Frühjahr hat eine kesse Göre mit unsäglich schlechter englischer Aussprache die Juroren in Europa verzaubert und veranlasst, „Germany twelve points“ zu geben. Lena Meyer-Landrut hat seit vielen Jahren den Grand Prix de Eurovision wieder einmal für Deutschland gewonnen und ein Ruck ging durch die Nation. Fragen Sie mich aber bitte nicht, warum sie gewonnen hat und warum das so ein bedeutendes Ereignis war. Die junge deutsche Fußballnationalmannschaft hat durch ihr sportliches und persönliches Auftreten bei der WM in Südafrika die Massen nicht nur in Deutschland begeistert und war für viele der Weltmeister der Herzen. Wenn Sie mich fragen, hätten wir die Spanier im Halbfinale mit etwas mehr Mut auch schlagen können. Der dritte Anlass, der nationale Begeisterung auslöste, war der WM-Sieg in der Formel 1 des jungen Heppenheimers Sebastian Vettel. Beeindruckend war, wie dieser junge Mann trotz vieler Rückschläge im Laufe der Rennsaison nie aufgegeben und aus fast aussichtsloser Position immer positiv denkend um das Erreichen seines großen Ziels gekämpft hat. So viel Ausdauer und Hartnäckigkeit beim Verfolgen der Ziele hätte ich mir auch von der Politik gewünscht. Doch manchmal frage ich mich, ob hier die Ziele, die verfolgt werden sollen, überhaupt bekannt sind. Das vergangene Jahr war eher durch Pleiten, Pech und Pannen, durch Stillstand und Rückschritt, aber auch durch Rücktritt geprägt. Bundespräsident Köhler hatte ein Jahr nach seiner Wiederwahl offensichtlich den Eindruck, dass er nicht die notwendige Rückendeckung der Regierung für seine wahren, aber unbequemen Äußerungen hat und zog daraus die Konsequenzen. Roland Koch und Ole von Beust waren anscheinend amtsmüde und Jürgen Rüttgers zog die Konsequenzen aus seiner Niederlage bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. In Berlin herrscht Stillstand. Es wird aufgeschoben, wo dringender Reformbedarf besteht. Es wird gestritten, wo gehandelt werden müsste. Notwendige Reformen im Gesundheitswesen und im Steuerrecht werden zerredet, obwohl Entscheidungen notwendig sind. Wir stehen vor einem Umbruch durch die demografische Entwicklung. Die Zahl derer, die das Sozialsystem stützen, wird immer geringer und die Zahl derer, die aus dem Sozialsystem ihren Lebensunterhalt beziehen, wird immer größer. Weniger werdende Mittel müssen in mehr Anteile geteilt werden. Von einem kleineren Kuchen müssen mehr Esser satt werden. Diese nicht umkehrbare Entwicklung fordert mutige und weitsichtige Reformen, wenn das Sozialsystem und der Generationenvertrag erhalten und eine soziale Schieflage vermieden werden sollen. Diesen Mut und diese Weitsicht sehe ich derzeit leider nicht. Ich sehe vielmehr kleinkariertes parteipolitisches Gezänke, bei dem nicht das zukunftsorientierte Handeln im Vordergrund steht, sondern nur die Berichterstattung der Medien, die Möglichkeit des Auftritts in einer der unsäglichen Talkrunden und die nächsten Umfragewerte als Gradmesser dienen. Sogar bei dem vermeintlichen Heilsbringer des großen Bruders über dem großen Teich, der als Vorschusslorbeer schon mal mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, ist der Lack ab. Barack Obama wurde vom Alltag des politischen Geschehens eingeholt und erlitt mit seinen Demokraten bei den Wahlen in diesem Jahr eine empfindliche Schlappe. Der Schlachtruf „Yes, we can!“ reicht vielleicht aus, um die Wähler im Medienwahlkampf zu begeistern. Für die politischen Alltagsaufgaben der führenden Weltmacht, die wirtschaftlich gebeutelt, in sozialer Schieflage und an allen Krisenherden dieser Welt als vermeintlicher Friedensstifter aktiv ist, ist es aber vielleicht doch etwas zu wenig.
Angst gemacht hat mir die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, die gezeigt hat, wie wenig beherrschbar die Lage ist, wenn Technik versagt und Anlagen Schäden erleiden. Offensichtlich gehen die Verantwortlichen blauäugig davon aus, dass schon alles gut geht und planen für einen Defekt oder einen Unfall nicht vor. Beeindruckt hat mich, wie wahrscheinlich fast alle, die Rettung der eingeschlossenen Bergleute in Chile. Hier hat ein kleines und armes Land gezeigt, dass es zu einem hervorragenden Krisenmanagement in der Lage ist, wenn beherzt und zügig Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden. Einen etwas schalen Beigeschmack hatte für mich die sensationsheischende Berichterstattung der Medien. Ich hoffe, dass die Bergleute dieses Trauma verarbeiten und wieder in ihr normales Leben zurückfinden. So viel zur großen weiten Welt.
Aber auch in Kirchzell ist einiges passiert. Wir haben viel Geld ausgegeben für die Beschaffung eines neuen Schleppers für den Bauhof als Ersatz für den altersschwachen Unimog. Für den Klärwärter musste ein Ersatzfahrzeug beschafft werden. Ein gebrauchter Renault Kangoo steht für den Bauhofvorarbeiter und Klärwärter zur Verfügung. Die Freiwillige Feuerwehr Kirchzell erhielt einen neuen Ford Transit als Ersatz für das nicht mehr verkehrstüchtige Mehrzweckfahrzeug. Dieses Fahrzeug hat der Feuerwehrverein in Eigenleistung feuerwehrtechnisch ausgebaut. Die Freiwillige Feuerwehr Ottorfszell erhielt die Tragkraftspritze PFPN 10-1000 als Ersatzbeschaffung. Die Sanierung des Anwesens Hauptstraße 21, die der Carnevalclub und der Musikverein in Angriff genommen haben, schreitet weiter voran. Die Frist zur Fertigstellung wurde vom Amt für Ländliche Entwicklung verlängert, da das Vorhaben nicht aus dem Konjunkturpaket II, sondern aus EU-Mitteln finanziert wird. Aus diesem Grund wird auch keine baubegleitende Abschlagszahlung gewährt. Die Gesamtförderung wird erst nach Abschluss der Maßnahme und Vorlage des Verwendungsnachweises ausgezahlt.
Die Bauleitplanung für das Gewerbegebiet Buch wurde weiter vorangetrieben. Ein Bauinteressent konnte bereits die Baugenehmigung im Vorgriff auf die zu erwartende Bauleitplanung erhalten. Der Gemeinderat hat die Änderung des Bebauungsplanes beschlossen, so dass nach Vorlage des ersten Planentwurfs die vorgezogene Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit durchgeführt werden kann. Begonnen wurde mit der Einrichtung der Notstromversorgung am Feuerwehrhaus in Kirchzell. In Kürze wird am Feuerwehrhaus Preunschen und am Dorfgemeinschaftshaus in Breitenbuch ebenfalls eine Notstromversorgungsmöglichkeit eingerichtet. Im kommenden Jahr erhalten auch die Ortsteile Watterbach und Ottorfszell eine alternative Stromversorgung für Schadensfälle mit längerem Stromausfall.
Leider nicht zu verwirklichen war der Bau des Radwegs von Kirchzell nach Ottorfszell, da das Staatliche Bauamt Aschaffenburg im Förderverfahren erhebliche Nachforderungen an die technische Ausführung gestellt und einen Teil der Kosten als nichtförderfähig eingestuft hat. Der Kostenaufwand, der bei der Gemeinde verblieben wäre, war aufgrund dieses Sachverhaltes nicht mehr zu finanzieren, so dass sich der Gemeinderat entschlossen hat, von der Maßnahme abzusehen. Bedauerlich ist, dass bereits die Vorbereitung des Förderantrages Kosten von annähernd 100.000,00 € verursacht hat, ohne dass hierfür ein Gegenwert geschaffen werden konnte. Eine andere Maßnahme, die uns über Jahre beschäftigt hat, konnten wir allerdings zum Abschluss bringen. Am Tag vor unserem Frühjahrsmarkt feierten wir die Einweihung unserer neuen Wasserversorgung am Wasserwerk in Ottorfszell. Die Maßnahme ist bis auf die Eintragung der Grunddienstbarkeiten für die Leitungsrechte abgeschlossen. Der endgültige Verbesserungsbeitrag kann vermutlich im Jahr 2011 ermittelt und abgerechnet werden.
 
Im März des zu Ende gehenden Jahres hat unser Pfarrer Franz Grumbach den 30. Jahrtag des Antrittes des Priesteramtes in Kirchzell gefeiert. Bedauerlicherweise musste er wenige Wochen später die Gemeinde Kirchzell verlassen, da er vom Ordinariat in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde, nachdem er bei dem Missbrauchsbeauftragten der Diözese Selbstanzeige erstattet hatte.
Seinen 65. Geburtstag feierte in diesem Jahr unser Altbürgermeister Ludwig Scheurich. Auch ich konnte ein Jubiläum begehen und meinen 50. Geburtstag feiern. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich nochmals bei allen zu bedanken, die mir zu diesem Geburtstag ihre Glückwünsche überbracht haben und die mit ihrem Geschenk dazu beigetragen haben, dass für den Kindergarten und den TV Kirchzell eine großzügige Spende übergeben werden konnte.
In der 10. Sitzung des Marktgemeinderates am 30.07.2010 konnten wir die Abiturienten Udo Gayer und Steffen Münch für ihren herausragenden Schulabschluss ehren. In der Jahresabschlusssitzung haben wir Lukas Grimm für seine hervorragenden Ergebnisse bei der Bayerischen Meisterschaft die Sportlermedaille in Silber verliehen.
Im vielfältigen und breit gefächerten Vereinsleben unserer Gemeinde haben in diesem Jahr das 55-jährige Jubiläum des Carnevalclubs Kirchzell und das 40-jährige Jubiläum des Musikvereins Watterbach-Breitenbuch herausgeragt.
Im kommenden Jahr soll die Ahrenskurve ausgebaut werden. Die Mauer entlang des Anwesens von Dr. Schertle wurde bereits errichtet und die an der Straße stehenden Bäume gefällt. Auch der Unterhalt der gemeindlichen Straßen wird uns im kommenden Jahr wieder beschäftigen. Einen breiten Raum in der Diskussion im Gemeinderat und der Arbeit in der Verwaltung wird künftig die Abwasserbeseitigung einnehmen. Auch der Unterhalt, die Sanierung und die Nutzung der gemeindlichen Gebäude wird uns künftig beschäftigen. Die begonnene Sanierung der Hauptschule in Amorbach, zu der wir einen erheblichen finanziellen Beitrag leisten müssen, soll im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Im schulischen Bereich werden wir nach einem etwas schwächeren Jahrgang künftig Jahrgangsstärken haben, die den dauerhaften Erhalt unserer Grundschule gesichert scheinen lassen.
 
Schließen möchte ich diesen Rück- und Ausblick mit einem optimistischen Zitat des deutschen Schriftstellers der Frühromantik Friedrich von Hardenberg, der unter dem Pseudonym Novalis bekannt wurde.
„Begrüße das neue Jahr vertrauensvoll und ohne Vorurteile, dann hast du es schon halb zum Freunde gewonnen.“
 
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich bedanke mich bei Allen, die durch ihr  ehrenamtliches Engagement in unserer Gemeinde ihren Beitrag zur Gestaltung des Vereinslebens und zur Förderung des Gemeinwohls geleistet haben. Ohne diesen Einsatz der Bürgerinnen und Bürger wären unsere Gesellschaft und unser schöner Markt Kirchzell um Vieles ärmer.