Bayerischer Untermain

Geo-Naturpark Bergstrasse-Odenwald

17.12.2009

PressemitteilungJahresrückblick 2009


 

Im Advent, der Zeit der Lichter,
wird ein jeder schnell zum Dichter,
denn in dieser stillen Zeit,
reicht ein leises Wort sehr weit.
 
 
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
 
als ich auf diese Zeilen gestoßen bin, war für mich sofort die Verbindung zur Arbeit in unserem Gemeinderat offensichtlich. Im vergangenen Jahr hat sich der Gemeinderat als ein Gremium präsentiert, in dem nicht mit lauten Worten versucht wurde, den anderen zu überflügeln, sondern mit leisen Worten Inhalte vermittelt und Positionen vertreten wurden. Diese Erfahrung im Gemeinderat, das kollegiale Verhalten und der sachliche Umgang miteinander macht mich zufrieden.
 
Ich möchte diese letzte Ausgabe des Amtsblatts für dieses Jahr nutzen, um einen Blick zurück auf die Arbeit des Gemeinderates aber auch auf die anderen Ereignisse des zu Ende gehende Jahres zu werfen. Auch in diesem Jahr hielt uns die Wirtschaftskrise noch in ihren Fängen. Große Unternehmen, wie das Versandhaus Quelle, aber auch viele mittelständische und kleine Betriebe konnten trotz staatlicher Unterstützung nicht überleben und mussten ihre Arbeitnehmer entlassen. Glücklicherweise entwickelte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht so dramatisch, wie es ursprünglich zu befürchten war. Ein Großteil der ins Trudeln geratenen Betriebe konnte über den Weg der Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten und somit die Existenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichern. Hoffen wir, dass im Jahr 2010 der Konjunkturmotor wieder anspringt und die Wirtschaft in die Lage versetzt, den Menschen Lohn und Brot zu geben.
 
Dieses Jahr war geprägt von drei Wahlen, der Wahl zum Bundespräsidenten, der Europawahl und der Bundestagswahl. Am 23. Mai hat die Bundesversammlung den amtierenden Bundespräsidenten Horst Köhler im Amt bestätigt und damit die Arbeit eines Mannes gewürdigt, der den Mut hat, unbequeme Wahrheiten anzusprechen. Die Europawahl im Juni zeigte mit ihrer europaweit geringen Wahlbeteiligung, dass es immer noch nicht gelingt, den Wählerinnen und Wählern die Bedeutung Europas und den Stellenwert des europäischen Parlaments zu vermitteln. Ich hoffe, dass es den Bürgerinnen und Bürgern in den Staaten der europäischen Union bis zur nächsten Europawahl in fünf Jahren bewusst wird, dass nur ein starkes, gemeinsames Europa auf der Weltbühne eine tragende Rolle spielen kann. Die für uns wichtigste Wahl war sicherlich die Bundestagswahl am 27. September. Dabei fand die über vier Jahre regierende große Koalition ihr Ende und wurde durch eine schwarz-gelbe Regierung ersetzt. Die Protagonisten der Koalition, die diese zu ihrer Traumkonstellation erklärt hatten, stritten heftig um die Inhalte des Koalitionsvertrages und setzten diesen Streit auch nach Beginn der Regierungsarbeit weiterhin fort. Zentrale Themen wie die Steuerreform und die Gesundheitsreform sind ebenso Streitpunkte wie die Entsendung der Präsidenten des Bundes der Vertriebenen Erika Steinbach in den Beirat der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Hoffen wir, dass der renommierte amerikanische Architekt polnisch-jüdischer Herkunft, Daniel Liebeskind, Recht behält, wenn er sagt: „Streit fördert die Erkenntnis und das ist viel wert“ und die streitenden Koalitionäre am Ende ihres Disputs zu wertvollen Erkenntnissen zum Wohle unseres Volkes gelangen.
 
In den letzten Tagen hat eine Vertrauenskrise im Verteidigungsministerium die Bundesregierung erschüttert. Der ehemalige Verteidigungsminister Franz-Josef Jung musste seinen erst vor kurzem eingenommenen Chefsessel im Sozial- und Arbeitsministerium räumen und die politische Verantwortung für die undurchsichtige Informationspolitik des Verteidigungsministeriums nach dem Luftangriff im Kundus übernehmen. Sein Nachfolger im Verteidigungsministerium, Karl-Theodor zu Guttenberg kündigte „ein Höchstmaß an Transparenz“ bei der Aufklärung dieser Affäre an. Ich wünschte mir, dass dieses Höchstmaß an Transparenz nicht immer nur dann greift, wenn es gilt, kleine oder große Krisen zu bewältigen, sondern das politische Handeln der Verantwortlichen auch im alltäglichen Geschäft bestimmen würde. Mit einem Höchstmaß an Transparenz und Offenheit in der Politik wäre es sicher möglich, den Bürgerinnen und Bürger in unserem Staat die Politik wieder näher zu bringen und der Staats- und Politikver-drossenheit entgegenzuwirken.
 
Nach dieser Exkursion in den Bereich der großen Politik, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wende ich mich wieder unserer Gemeinde zu und möchte kurz die besonderen Maßnahmen und Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres Revue passieren lassen. Im Mai konnten wir die neu ausgebaute Kreisstraße MIL 42 und den Radweg von Buch nach Mudau einweihen. Nach dem Anradeln von Mudau in Richtung Buch feierten wir dort mit vielen Gästen die Übergabe der beiden neuen Verkehrswege. Ich bedanke mich bei dieser Gelegenheit bei allen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.
Die Neuordnung der Wasserversorgung fand ihre Fortsetzung mit dem Verlegen der Leitung vom Wasserwerk Ottorfszell zum Hochbehälter Kirchzell. Die Inbetriebnahme dieser Leitung und damit die Anbindung von Kirchzell, Buch und Beuchen an das Wasserwerk Ottorfszell wird in den nächsten Tagen erfolgen. Im kommenden Jahr werden dann nach Vorlage der Schlussrechnungen die Verbesserungsbeiträge endgültig abgerechnet.
Eine unvorhergesehene Baumaßnahme wurde in Watterbach notwendig. Die fünfzig Jahre alten Asbestzementrohre der Leitung von Watterbach zur Schrahmühle zeigten Alterserscheinungen und rissen an einem Wochenende im September an mehreren Stellen. Durch das schnelle und kompetente Eingreifen der Wassermeister konnte eine Notversorgung aufgebaut werden. Innerhalb weniger Wochen wurde die Leitung vom Bauhof von der Straße ins Wiesental erneuert und eine neue Leitung im Pflugverfahren bis zum ehemaligen Wasserwerk in Richtung Schrahmühle verlegt.
Im Bereich der Abwasserbeseitigung haben wir Investitionen in die Kläranlage getätigt und die dortige Belüftungseinrichtung ertüchtigt. Die Arbeiten verliefen reibungslos und die Maßnahme ist abgeschlossen. Nach den ersten Erkenntnissen wird sowohl die Reinigungsleistung verbessert als auch erheblich Strom eingespart. Die Abwasserbeseitigung wird uns in den kommenden Jahren weiter beschäftigen, denn es gilt jetzt die Entsorgungsleitungen zu überprüfen, um Rückhaltemöglichkeiten für das Niederschlagswasser zu schaffen und so die Abwasserreinigung weiter zu optimieren.
Die lange diskutierte Wärmeversorgung für das Rathaus wurde in diesem Jahr mit dem Einbau einer Pelletsheizung verwirklicht. Nach der Sanierung der alten Schule in der Hauptstraße 21 wird diese an die Pelletsheizung angeschlossen.
Das für die Feuerwehr Kirchzell beschaffte HLF 20/16 wurde in diesem Jahr geliefert und abgerechnet. Die Feuerwehr hat damit ein leistungsfähiges Fahrzeug, das bedauerlicherweise schon im Ernstfall eingesetzt werden musste. Dabei zeigte sich, dass dieses Fahrzeug mit seiner hochwertigen technischen Ausstattung für die Menschenrettung von großer Wichtigkeit ist. Die Freiwillige Feuerwehr Kirchzell und das BRK mussten auch bei Schadensereignissen wie dem Brand im ehemaligen Gästehaus der Gaststätte „Weißes Ross und bei einigen Unfällen ihre Hilfsbereitschaft zeigen. Einer dieser Unfälle vor einigen Tagen in der berüchtigten Ahrenskurve endete leider tödlich. Seitens der Gemeinde sind wir bemüht, das Staatliche Bauamt Aschaffenburg zu einer Entschärfung der Ahrenskurve durch geeignete bauliche Maßnahmen zu bewegen.
Der Ausbau der DSL-Versorgung wurde inzwischen durch die Telekom abgeschlossen und hat eine deutliche Verbesserung der Breitbandversorgung gebracht. Lediglich in den Ortsteilen Breitenbuch und Watterbach bestehen noch technische Schwierigkeiten, um deren Lösung die Deutsche Telekom bemüht ist.
Eine weitere Verbesserung der medialen Infrastruktur wird der Mobilfunkmast auf dem Reisberg bringen. Der Mast ist schon seit einiger Zeit fertig gestellt und soll in den nächsten Tagen in Betrieb genommen werden.
Eine kleinere Beschaffungsmaßnahme, die sich allerdings als sehr sinnvoll herausgestellt hat, war das Geschwindigkeitsmessgerät, das inzwischen in fast allen Ortsteilen im Einsatz war und uns ein Bild über die Verkehrsdichte und die gefahrenen Geschwindigkeiten geliefert hat. Aus diesen Ergebnissen lassen sich Erkenntnisse ableiten, die unter anderem für polizeiliche Maßnahmen von Bedeutung sind.
Begonnen wurde die Planung für die Erweiterung des Gewerbegebietes in Buch, um für interessierte Gewerbetreibende Ansiedlungs- und Erweiterungsmöglichkeiten anzubieten. Das Aufstellungsverfahren soll im kommenden Jahr durchgeführt und abgeschlossen werden.
In Abstimmung mit den örtlichen Vereinen haben wir die Vereinsförderung neu strukturiert und dabei auf die Mitglieder und die Zahl der Jugendlichen abgestellt, um eine möglichst gerechte Förderung zu erreichen.
Eine Maßnahme, die im Vorfeld viel diskutiert wurde und einer intensiven Vorbereitung bedurfte, war die Einbindung der Beförderung der Kindergartenkinder aus den Ortsteilen in den Öffentlichen Personennahverkehr. Seit Beginn des Kindergartenjahres werden die Kinder aus den Ortsteilen nach Ende der Betreuungszeit mit den Linienbussen des Öffentlichen Personennahverkehrs befördert. Dafür wurden drei Begleitpersonen eingestellt, die die Kinder während der Fahrt betreuen. Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten läuft diese Beförderung inzwischen reibungslos und wird von den Eltern weitgehend akzeptiert. Nach Ablauf einer Probezeit von einem Jahr wird mit der Kindergartenleitung und den Eltern ein Erfahrungsaustausch stattfinden und dann entschieden werden, ob diese Form der Beförderung fortgesetzt oder gegebenenfalls sogar erweitert wird.
Intensiv beschäftigt hat uns im ablaufenden Jahr auch die Neugestaltung der Kirchzeller Märkte. Die Marschrichtung, die Märkte unter ein bestimmtes Motto zu stellen und durch ein vielfältigeres Angebot attraktiver zu gestalten, hat sich als richtig erwiesen, denn sowohl der Kirchzeller Frühling unter dem Motto „Forst und Holz“ als auch der Kirchzeller Herbst unter dem Motto „rund um den Apfel“ waren ein voller Erfolg und haben wesentlich mehr Gäste angezogen als die Märkte in den vergangenen Jahren.
 
So viel zum Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr. Aber auch das kommende Jahr, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wird uns vor neue Herausforderungen stellen. Neben der Überprüfung der Abwassersorgung und der Erweiterung des Gewerbegebietes Buch steht die Sanierung der ehemaligen Schule in der Hauptstraße 21 an. Das Amt für Ländliche Entwicklung hat inzwischen die Fördermittel aus dem Dorfentwicklungsprogramm in Höhe von 50 % der förderfähigen Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 120.000.- € bewilligt. Die Vereine haben im Rahmen einer vorzeitigen Baufreigabe bereits die Isolierung des Untergeschosses vorgenommen und werden demnächst mit den Bauarbeiten beginnen. Da die Gesamtmaßnahme bis Ende 2010 abgeschlossen sein muss, ist Eile geboten. Als Gemeinde werden wir die Vereine bei der Sanierung begleiten und sie im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen.
Für den Radweg nach Ottorfszell liegt ebenfalls die Förderzusage vor. Ob diese Maßnahme realisiert werden kann, werden die Haushaltsberatungen zeigen. Auch wenn die Kosten nach den derzeitigen Schätzungen sehr hoch erscheinen, ist diese Investition in die Infrastruktur und damit die Verbesserung der Lebensqualität sinnvoll und vertretbar. Ich hoffe auch, dass es uns durch intelligente Planungen gelingt, die Kosten zu reduzieren.
Eine weitere erhebliche finanzielle Belastung wird für uns die Sanierung und Erweiterung der Hauptschule Amorbach mit sich bringen. Als Mitglied des Schulverbandes müssen wir uns an den zu erwartenden, nicht durch Zuschüsse gedeckten Kosten von etwa 1 Mio. € beteiligen. Diese Kosten werden über Kredite finanziert und uns durch Erhöhung der Umlage belasten. Die Sanierung und Erweiterung zu einer gebundenen Ganztagsschule ist unverzichtbar, wenn eine Chance zum Erhalt der Hauptschule Amorbach bestehen soll. Es kann zwar keine Garantie abgegeben werden, dass die Hauptschule nach dieser Baumaßnahme erhalten bleibt. Es muss aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Hauptschulstandort Amorbach keine Überlebenschance hat, wenn wir diese Maßnahme nicht angehen.
Neben diesen Baumaßnahmen stehen im nächsten Jahr auch Ersatzbeschaffungen von Fahrzeugen und Ausrüstungsgegenständen für Bauhof und Feuerwehr an. Inwieweit diese verwirklicht werden können, ist ebenfalls in den Haushaltsberatungen zu diskutieren.
 
Wie immer hat auch im zu Ende gehenden Jahr das Vereinsleben in unserer Gemeinde eine wesentliche Rolle gespielt und den Jahresablauf bereichert. Die Freiwillige Feuerwehr Kirchzell hat ihr 135-jähriges Jubiläum gefeiert und dabei die Feuerwehren des Landkreises beim Kreisfeuerwehrfest als Gäste begrüßt. Im Rahmen dieses Festes hat unser Pfarrer Franz Grumbach das neue HLF 20/16 geweiht. Ein weiterer Höhepunkt war das Dreiländertreffen der Freiwilligen Feuerwehr Preunschen, das diese aus Anlass des 112-jährigen Bestehens ausgerichtet hat. Auch wenn dies kein klassisches Jubiläum war, war es eine originelle Idee, die Notrufnummer der Feuerwehr als Anlass zu nehmen, die Feuerwehren aus den drei benachbarten Bundesländern zum traditionellen Dreiländertreffen einzuladen. Ein Jubiläum feierte auch der Schützenverein Watterbach, der 85 Jahre alt wurde. Sein 10-jähriges Bestehen konnte der Frauenchor Kirchzell begehen. Neben diesen Jubiläumsveranstaltungen haben die Vereine mit ihren schon traditionellen Veranstaltungen auf sportlichem und kulturellem Gebiet das Leben in der Gemeinde bereichert.
Ich danke allen, die sich im Vereinsleben engagiert haben, insbesondere denen, die bereit waren Verantwortung zu übernehmen, aber auch denen, die hinter den Kulissen tätig waren. Ganz allgemein geht mein Dank an alle, die sich für ihre Mitmenschen in unserer Gemeinde eingesetzt haben.
 
Ihr Bürgermeister
Stefan Schwab